|
Palm Cove / Cairns
Bei unserer Ankunft in Cairns mussten wir als erstes feststellen, dass das Reisebüro zwar der Ansicht war, unser Transfer zum Hotel sei geregelt, aber trotzdem niemand am Flughafen war, um uns nach Palm Cove zu bringen. Es ist eben immer sinnvoll, so etwas vor Ort noch einmal telefonisch abzuklären. Aber in Australien ist eben alles “no worries”. So gab es eine Art Sammeltaxi, das eigentlich zu andren Hotels fahren sollte. Aber da noch Plätze frei waren, konnten wir kurzerhand eine Mitfahrt buchen. Der Wagen war voll mit peinlichen Deutschen (wir haben uns auf englisch unterhalten, um inkognito zu bleiben...). Als wir an unserem Hotel ankamen, war die Rezeption schon geschlossen, aber an der Bar war jemand, der auf uns wartete und den Schlüssel zu unserem Appartement hatte. Gebucht hatten wir ein 2-Zimmer-Appartement, und als er uns die ersten zwei Zimmer und das Bad zeigte, dachten wir zuerst:“Ganz nett, aber doch irgendwie sehr katholisch, so mit getrennten Betten...“.
Aber dann kam noch ein Waschraum, eine Küche, ein großes Wohnzimmer mit Essecke, eine Terrasse mit Meerblick und ganz am Schluss noch ein Schlafzimmer mit Doppelbett und dahinter ein großes Bad... Auf unsere völlig perplexe Reaktion, dass das ein Irrtum sein müsse, da wir so ein Riesen-Luxus-Appartement nicht gebucht hätten, reagierte der Mann gelassen und meinte - eben typisch australisch - “no worries”, das wäre schon in Ordnung, der Name würde stimmen! Außerdem erzählte er uns, dies seie n private Wohnungen, die während der Abwesenheit der Besitzer an Touristen vermietet würden. Am nächsten Morgen sah alles noch viel besser aus, das Appartment war mit geschmackvollen Holzmöbeln und dicken blauen Teppichen eingerichtet.
Wir frühstückten jeden Morgen auf der Terrasse unter Palmen, argwöhnisch beäugt von einer dort lebenden Eidechse, die wir später Oggl getauft haben. Der Name des Hotels „Paradise Village“ ist echt zutreffend, und als die Frau an der Rezeption meinte, wir würden ja wirklich lang bleiben, hätten wir beinahe geantwortet :“It`s never too long, staying in paradise!“
Palm Cove selbst ist ein ruhiger, sehr auf Familien ausgerichteter Ferienort mit öffentlichen Grillplätzen, einer überwachten und mit einem Netz umgebenen Schwimmbucht und einem kleinen bunten Einkaufszentrum. überall stehen paperbark trees herum, das sind Bäume, die zum Schutz gegen Buschfeuer viele Schichten einer papierähnlichen Rinde besitzen, aus der die Aboriginals alles mögliche herstellen. Lustig fanden wir, dass die Dächer der Häuser zum Teil genau dort Aussparungen hatten, wo diese großen Bäume wuchsen, so konnte direkt an der Straße gebaut werden, ohne dass ein Baum gefällt werden musste.
Wir hatten gedacht, dass das Riff sozusagen direkt am Strand anfängt, leider ist es aber einige Kilometer von der Küste entfernt, und das Wasser am Strand war eher trüb. Schwimmen konnte man da trotzdem ganz gut, bei Badewannentemperatur und geschützt vor Haien, Krokodilen und Quallen. Eva und Markus waren auch schon da, und so haben wir einige nette Abende verbracht. Da zu Pasta Wein gehört, erklärte sich Markus bereit, noch einen zu holen. Er ging los und kam und kam nicht wieder, wir hatten schon Sorge, dass er den Wein allein getrunken habe und singend in einem Straßengraben läge. Was wir nicht bedacht hatten war, dass es in Australien im Supermarkt keinen Alkohol gibt, sondern nur im bottle-shop. Und der war leider ganz am anderen Ende der Straße! Ungewohnt ist auch das “bring your own“-Prinzip in den Restaurants, die keine Alkohollizenz haben. In der Pizzeria gleich um die Ecke haben wir wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt - nur Saft und Limo auf der Speisekarte. Dafür hatte das Novotel, in dem Eva und Markus wohnten, eine Lizenz, und so haben wir da einen Abend lang leckere Cocktails geschlürft und dabei einer wirklichen schlechten asiatischen Combo zugeguckt, wie sie mit “La Cucarracha“ eine amerikanische Rentnergruppe zum Toben brachte....
Zweimal waren wir auch in Cairns. Vor unserer Haustür fuhr regelmäßig ein Bus in die Stadt. Cairns ist nicht sehr spektakulär, viele Hochhäuser und dreckige Straßen. Das Aquarium war ganz gut, nur im Haibecken schwammen ausnahmslos ungefährliche Haie und so war das shark-feeding kein großer Nervenkitzel. Eingekauft haben wir natürlich auch, ein paar Souvenirs und eine Drachenskulptur für die Sammlung. Der Verkäufer, ein netter Endfünfziger, sagte uns, als er diese in Papier packte, wir sollten es zuhause etwas lockern, sonst würden die Drachen nicht genug Luft bekommen. Auf unsere Frage, ob wir sie denn durch den Zoll bekommen würden, meinte er nur: “Tell them, Bill said, it`s all right!“. No worries!
Wenn es abends dunkel wurde, war in den großen Bäumen vor unserem Appartement regelmäßig Lärm, lautes Gezwitscher, als würden sich Sittiche streiten. Erst nach einiger Zeit fanden wir heraus, wer da so einen Krach machte: die großen Flughunde, die nachts um die besten Blüten zum Nektarsaugen konkurrierten. Außerdem waren auch wieder Kookaburras zu sehen und zu hören. Aber was uns am meisten beeindruckte, waren die riesigen metallic-blauen Schmetterlinge, die dort herumflogen. Sie heißen Ulysses electric blue, glänzen unglaublich in der Sonne und sind absolut nicht vor die Kamera zu kriegen. Recht flatterhafte Wesen. Die meisten unserer Tierfotos haben wir im Wild World Zoo gemacht, der in der Nähe von Palm Cove ist. Dort gibt es einen Streichelzoo mit Känguruhs, Sittiche zum Anfassen, eine Schlangenshow und Koalas, die man für ein Foto auf den Arm nehmen darf. Das haben wir den armen Tieren aber erspart. Es ist eher ein Gewaltakt, so einen niedlichen Teddy aus seinem Tagschlaf zu reißen und an den Hals eines nach Deo oder Parfüm stinkenden Touristen zu hängen, nur weil Koalas so nett sind und nicht von ihren Krallen und Zähnen Gebrauch machen...
Außerdem waren fast alle anderen Tiere handzahm. Ausgenommen die Krokos natürlich! Eines der größten war in freier Wildbahn gefangen worden, weil es einen Polizeihund verspeist hatte... Das ist wohl auch der Grund, warum es "Sarge" heißt! Der Zoo ist zwei Mal in der Woche auch Nachts geöffnet, dann kann man die nachtaktiven Tiere (z.B. Possums) beobachten.
Ein Reitausflug stand auch noch auf dem Programm, allerdings ohne den pferdeallergischen Roland. Dafür mit- wie könnte es anders sein- einer japanischen Reisegruppe. Nachdem Andy, der Guide, dann auch verstanden hatte, dass ich nicht Hilde Brandt sondern Sibylle Hildebrandt heiße („just call me Billy“ – die können meinen Vornamen eh nicht richtig aussprechen!) und festgestellt hatte, dass ich als Einzige sowohl Englisch sprechen als auch gallopieren kann, hat er mir das schwierigste Pferd gegeben und los ging’s. Mit 11 Japanern, die kein Wort Englisch können, nicht gern Schwitzen und sich schmutzig machen, Angst vor großen Tieren haben und nach Australien kommen, um 2,5 Stunden auf einem Pferd hoch und runter durch den Regenwald zu reiten!! Alles in allem war es aber eine schöne Tour, und eine grüne Baumschlange haben wir auch gesehen. Natürlich gibt es auch in Palm Cove Deutsche, z.B. eine Bedienung im Paradise Village Restaurant. Die erzählte uns, dass die Leute, die eine vom Veranstalter geplante Reise machen, immer am Ende völlig erschöpft in Palm Cove landen würden und nach diesen anstrengenden Ferien eigentlich noch mal Urlaub bräuchten... Wir waren ganz froh, dass wir unsere Reise selbst geplant hatten und so uns an der Ostküste richtig erholen konnten. Der Abschied von diesem verträumten Strandstädtchen ist uns nicht leichtgefallen. |