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Kakadu Nationalpark
Wir hatten eine 3-Tagestour mit AAT Kings gebucht, die früh am Morgen in Darwin startete. Unser Busfahrer hieß Tim und hatte ein unerschöpfliches Repertoire an Wissenswertem, Anekdoten und Witzen. Die ganze Busfahrt über gab es Information. Auf der Hinfahrt sind wir dann dem ersten Beuteltier begegnet, einem Wallaby, das uns leider direkt vor den Bus gesprungen ist. Armes Vieh.
Das erste Ziel war Nourlangie Rock, eine Felsformation im Nationalpark mit alten Felsenzeichnungen und einem interessanten Mythos über den Gewittergeist und seine Familie. Außerdem gab es ein Warnzeichen für "schlechte Erde". Tim erzählte, daß es diese Zeichen an verschiedenen Orten in Kakadu gibt und daß man vor kurzem festgestellt hat, daß sie meist genau dort zu finden sind, wo es reiche Uranvorkommen gibt. Die Aboriginals meiden diese Gebiete. Es darf zwar von den Weißen Uran im Nationalpark abgebaut werden, aber die Aboriginals werden finanziell am Gewinn beteiligt. Sie haben sich inzwischen mit der modernen Zeit ganz gut arrangiert, am Uranabbau beteiligen sich nur einige Jüngere, und von den Einnahmen finanzieren die Stämme im Nationalpark ihr Leben. Es ist jedem Ureinwohner freigestellt, wie die Weißen zu leben oder wie die Vorfahren. In den Northern Territories wurde den Aboriginals viel Land zurückgegeben, und viele versuchen, wieder zu ihren Ursprüngen zurückzukehren. In den Städten allerdings sind die meisten gestrandete Alkoholiker...
Nachmittags stand eine Bootsfahrt auf dem Yellow Water billabong an, einem riesigen See, der von Unmengen Reihern, Greifvögeln und Wasservögeln bevölkert war. Wie die im Einzelnen hießen, können wir nicht sagen, weil die Führung auf englisch war. Die einzigen Namen die wir uns gemerkt haben, waren die von einer Art Teichhühnern mit riesigen Füßen, die sich so über die Seerosenblätter bewegten, daß es aussieht, als liefen sie über das Wasser. Deswegen haben die Australier sie “Jesus birds” genannt.
Es gab auch interessante Pflanzen zu sehen, wie die kleinen Seerosen, deren weiße Blütenblätter so ausgefranst waren, daß sie wie Schneeflocken aussehen und auch so heißen: Snowflake flowers.
Die größte Attraktion am Yellow Water war allerdings ein 3m langes “Ginga”, das regungslos zwischen den Mangroven im Wasser lag und sich als Baumwurzel tarnte. Große Aufregung im Boot, alle wollten Fotos machen. Das Tier war aber offensichtlich satt und nicht halb so sehr an uns interessiert, wie wir an ihm. Als unsere Führerin das Boot näher heranfuhr, machte es sich genervt aus dem Staub. Später haben wir uns überlegt, daß es wahrscheinlich auch uns nerven würde, wenn wir nach dem Essen am Strand liegen und ein Kanu vorbeikommt in dem lauter Cheeseburger sitzen und uns fotografieren...
Zurück auf dem Bootssteg empfing uns eine Gruppe Corellas, die in den Bäumen saß und paarweise herumturnte und turtelte. Auf dem Weg zum Hotel wurde noch ein viel zu kurzer Stop an einem Kulturzentrum der Aboriginals gemacht, in dem viel von ihrer ursprünglichen Lebensweise gezeigt und erklärt wurde, z.B. die Stammbäume, die geführt wurden, um die strengen Heiratsgesetze einhalten zu können. Sehr spannend, aber eine halbe Stunde ist einfach nicht genug Zeit, auch für Leute, die schnell lesen können.
Am Gagaju Crocodile Hotel angekommen stellte sich heraus, daß wir falsch angemeldet waren, nämlich für die 2- und nicht die 3 Tagestour! Kurze Aufregung, aber: no worries! Tim führte zwei Telefonate, beschäftigte zwischendurch noch die Leute, die im Bus warten mußten, und schon war alles wieder im Lot!
Das Hotel im Herzen von Kakadu ist wirklich einen Besuch wert. Von außen sieht es aus wie ein riesiges Krokodil, und die Hotelanlagen in der Mitte sind gestaltet wie das Innenleben eines weiblichen Krokodils... der Magen z. B. ist ein Salzwasser-Swimmingpool, der Darm ein künstlicher Bach, und es gab auch eine Gebärmutter mit Nachwuchs, die haben wir aber nicht gefunden.. An dem Pool bot sich uns abends ein Schauspiel, das es nur in einem Nationalpark geben kann. Ein Schwarm von ein paar Hundert rot-blauen Sittichen kreiste ein ums andere Mal unter ohrenbetäubenden Lärm übers Hotel auf der Suche nach einem Schlafbaum, der diese Masse an Vögeln aushielt. Immer wieder flogen sie auf und ließen sich wieder nieder bis die Sonne unterging. Dann kehrte schlagartig Ruhe ein.
Nachts sind wir nochmal draußen gewesen, um die Sterne anzugucken und das Kreuz des Südens zu sehen. Einige Sternbilder haben wir erkannt, allerdings standen sie auf dem Kopf. Und Kreuze gibt es am südlichen Sternenhimmel gleich drei oder vier Stück, aber welches ist nun “das Kreuz” ?
Das erfuhren wir erst viel später.
Ubirr Rock
Am dritten Tag der Tour gab es wieder ohne Ende Felszeichnungen zu sehen, u.a. eine von einem kleinen weißen Mann von der vermutet wird, daß sie den ersten Deutschen zeigt, der durch Australien gereist ist. Viele der Zeichnungen sind Lehrbilder über Verhaltensregeln, Gesetze, Tabus und Kochrezepte. Eine Wand war voll von gezeichneten Fischen (Baramundis), sozusagen eine Speisekarte. Auch die inneren Organe waren gezeichnet. So wurde jungen Frauen erklärt, wie welcher Teil der Nahrung zubereitet wird. Außerdem gab es Bilder, die so hoch und an die Unterkante der Felsen gemalt waren, daß die Aboriginals sagen, sie seien von Geistern (mimi spirits) angefertigt worden. Vom Ubirr Rock selbst konnte man nach Arnhem Land herübersehen, wo ein Felsen lag, der wie ein großes Krokodil aussah. Hier am Ubirr Rock ist ein Teil von “Crocodile Dundee” gedreht worden.
Wer “Traumfänger” gelesen hat weiß, daß man in Australien an etwas nur zu denken braucht, damit es einem begegnet. Wir haben festgestellt, daß das zumindest auf die rock wallabies in Kakadu zutrifft! Auch an diesem Tag machten wir wieder eine Bootstour, dieses Mal auf dem South Alligator River. Der etwas betagte Crocodile Dundee-Verschnitt, der uns in kaum verständlichem Englisch die Gegend erklärte, hatte Spaß daran, uns raten zu lassen, welche Filmfiguren in der Hügelkette neben dem Fluß zu erkennen sind... Leider war dieser Tag nach der genialen Tour nach Arnhem Land nicht m ehr halb so aufregend, aber wer nur 2 Tage bucht, erlebt nur Tag 1 und 3 unserer Tour. Als wir am Flugplatz auf die Rundflug - Leute warten mußten, haben wir noch eine sogenannte Emufarm besichtigt, die sich als eingezäunte Rasenfläche mit ein paar Emus darauf entpuppte. Wenigstens sind Emus lustige Vögel, die sich gut fotografieren lassen. Auf der Rückfahrt haben wir ein paar australische Störche, Jabirus genannt, gesehen und drei riesige verlassene Termitenhügel, die “cathedrals of the north” heißen. Während der Fahrt konnten wir im Radio ein Cricketspiel verfolgen...naja, wir nicht so sehr wie die anwesenden “Aussies”. Ständig fiel das Wort “Asparagus” (Spargel) und als eine der etwas lauteren weiblichen Fahrgäste wissen wollte, was denn Rugby mit Gemüse zu tun hat, war der trockene Kommentar des Busfahrers: “You are a Kiwi, aren`t you??”
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